Französische Besatzung (1918-1940) |
1918 | 26. November
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Elsaß-Lothringen wird direkt von Paris aus verwaltet.
14. Dezember
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| Die elsaß-lothringische Bevölkerung wird in 4 Kategorien sortiert:
In Colmar wirft ein gewisses Frl. Matter die Milchflasche für das Kindlein einer ausgewiesenen Mutter, mit dem Schrei: "Un enfant boche ne boira pas du lait français!" (=ein schwäbisches Kind darf keine französische Milch trinken!) Ortschaftsnamen, Straßennamen, Vornamen... manchmal auch Familiennamen werden übersetzt, ebenfalls auf Grabsteinen. Französisch wird alleinige Unterrichtssprache. 1919
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23. Jänner Graf Rapp, René Ley und Dr. Kaspar Muth (Badisches Trio) rufen von München aus die Elsaß-Lothringer zum Aufstand gegen Frankreich auf. 16. April
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Frankreich gründet einen Generalkommissariat für Elsaß-Lothringen.
Das Badische Trio gründet in Baden-Baden ein Exekutiv-Komitee der Republik Elsaß-Lothringen und die Elsaß-Lothringische Autonomisten- und Nationalistenpartei. 31. Mai
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Frankreich läßt eine Rheinland-Republik proklamieren.
28. Juni
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Der Versailler Vertrag wird unterschrieben. (Er wurde weder vom Nationalrat noch von der elsaß-lothringischen Bevölkerung per Volksabstimmung ratifiziert).
17. Oktober
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Elsaß-Lothringen wird als Land aufgelöst.
30. Oktober
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Die Elsaß-Lothringische Föderalistenpartei und die Elsaß-Lothringische Liga werden verboten.
Bei den Parlamentswahlen 1919 dürfen nur französischorientierte Parteien antreten. Durch eine Allianz mit der französischen Rechte (Nationalblock) werden viele Abgeordnete der Elsässischen bzw. Lothringischen Volksparteigewählt (u.a. Walter, Pfleger u. Schuman). 1920
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16. März Der amerikanische Senat lehnt die Ratifizierung des Versailler Vertrags ab (u.a. wegen der Frage Elsaß-Lothringens). 21. April
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Generalstreik in Elsaß-Lothringen.
15. Mai
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Das Badische Trio wird im Abwesenheitsverfahren zu lebenslanger Deportation verurteilt.
1924
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19. Juni Robert Schuman (Lothringische Volkspartei) liest vor der französischen Nationalversammlung eine Protesterklärung gegen die französische Politik in Elsaß-Lothringen. 13. November
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21 elsaß-lothringische Abgeordnete verlassen die Nationalversammlung aus Protest gegen die Französierungspolitik. Elsaß-Lothringen wird erneut von einer Generaldirektion direkt von Paris aus verwaltet.
1925
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9. Mai Erste Nummer der Wochenzeitung Die Zukunft (Paul Schall, René Hauß) 1926
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1. Hornung Der autonomistische Flügel der Elsässischen Volkspartei schließt eine Einheitsfront mit den Kommunisten von Karl Hueber ab. 7. Juni
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Manifest des Heimatbundes.
8. Juni
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Die Kommunistische Partei unterstützt den Heimatbund.
8. August
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Zusammenarbeit des Heimatbundes mit A Muvra (Korsika) und Breiz Atao (Bretagne).
22. August
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Blutiger Sonntag in Colmar.
31.Oktober
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Gründung der Elsässischen Fortschrittspartei (Camill Dahlet)
29. November
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Die Elsässische Volkspartei wählt ein autonomistisches Programm.
1927
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8.-12. April Colmarer Prozeß gegen die Autonomisten. August
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Gründung der Bretonischen Autonomistischen Partei (Strollad Emrenerien Vreiz)
12. September
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Die Charta des Zentralkomitees der Nationalen Minderheiten Frankreichs wird in Kemper (Bretagne) unterschrieben.
15.-21. September
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Kongreß der Autonomisten in Montroulez (Bretagne)
25. September
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Gründung der Elsaß-Lothringischen Autonomistenpartei (Karl Roos)
12. November
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Die Zukunft, Die Volksstimme und Die Wahrheit werden verboten.
19. November
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Die Elsaß-Lothringische Autonomistenpartei wird zur Unabhängigen Landespartei.
1.Dezember
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Joseph Rossé (Elsässische Volkspartei) wird verhaftet.
30. Dezember
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Paul Schall (Landespartei) wird verhaftet
1928
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1. Jänner Camill Dahlet übernimmt die Zeitschrift Das Neue Elsaß 3. Jänner
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René Hauß (Landespartei) wird verhaftet. 30. Jänner Die Zeitung D'r Schliffstaan wird verboten. 1. Hornung
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Die Zeitschrift D'r Müehlstaan wird verboten.
24. Hornung
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Marcel Stürmel (KP) wird verhaftet.
16. März
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Dr. Eugen Ricklin (Elsässische Volkspartei) wird verhaftet.
17. März
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Die Zeitung Das Neue Elsaß (Camill Dahlet) wird verboten.
29. April
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Die Autonomisten Camill Dahlet (ELFP, 54% in Zabern), Hans-Peter Murer (KP, 52% in Straßburg), Michel Walter (EVP, 58% in Hagenau), Henri Meck (EVÜ, 62% in Molsheim), Camill Bilger (EVP, 54% in Gebweiler), Medard Brogly (EVP, 52% in Mülhausen), Joseph Brom (EVP, 50% in Thann), Dr. Eugen Ricklin (EVP, 63% in Altkirch) und Joseph Rossé (EVP, 52% in Colmar) werden in die Nationalversammlung gewählt.
1.-28. Mai
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Komplottprozeß von Colmar. Die Abgeordneten Dr. Eugen Ricklin und Joseph Rossé, sowie Paul Schall, werden zu einem Jahr Gefängnis und 5 Jahre Aufenthaltsverbot verurteilt. Unter den Angeklagten findet man Dr. Albert Schweitzer (!), Erwin v. Steinbach (1250-1318), sowie Albrecht Dürer (1471-1528)...?!!
12. Juni
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Im Abwesenheitsverfahren werden René Ley zu 20 Jahren Haft, Dr. Karl Roos (ULP), Dr. Robert Ernst und Emil Pinck zu 15 Jahren Haft verurteilt.
26. Juni
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Camill Dahlet gründet die Wochenzeitung Freie Zeitung.
14. Juli
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Joseph Rossé (EVP) und Paul Schall (ULP) werden von Staatspräsident Paul Doumergue begnadigt.
23. Juli
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Dr. Eugen Ricklin wird begnadigt.
31. Juli
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Gründung der Elsaß-Lothringischen Einheitsfront aus der Volkspartei, der Unabhängigen Landespartei, der KPO et der ELFP.
21. Oktober
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Bei den Kantonalwahlen erhält die autonomistische Einheitsfront 13 Sitze von 35 im Unterelsaß und 11 Sitze von 26 im Oberelsaß.
8. November
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Die Nationalversammlung annuliert die Wahl der Abgeordneten Ricklin und Rossé.
9. November
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Dr. Karl Roos erscheint als Redner bei einer Großkundgebung der Unabhängigen Landespartei mit den Kommunisten der künftigen KPO im Sängerhaus in Straßburg.
10. November
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Dr. Karl Roos ergibt sich der französischen Polizei und wird in Bisanz (Besançon) interniert.
2. Dezember
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1. Landesparteitag der Elsaß-Lothringischen Fortschrittspartei. Camill Dahlet Landesvorsitzender, Dr. Ing. Brumder, Stellv. Landesvorsitzender, F. Goetzmann Generalsekretär.
17. Dezember
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Die Elsässische Volkspartei (EVP) spaltet sich. Gründung der französischorientierten Action Populaire Nationale d'Alsace (APNA). 4 Senatore, 3 Abgeordnete und 18 Generalräte gehen zur APNA über.
1929
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Jänner Debatte über die elsaß-lothringische Frage in der französischen Nationalversammlung: Joseph Brom (EVP), Michel Walter (EVP), Robert Schuman (LVP) und Camill Dahlet (ELFP) plädieren für Autonomie. 4. Mai
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Demonstrationen in Straßburg zur Unterstützung von Karl Roos.
12. Mai
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Gemeindewahlen: die autonomistische Einheitsfront bekommt 53% in Straßburg. Dr. Karl Roos (ULP) wird zum Oberbürgermeister gewählt. Da er in Haft ist, tritt er zurück und wird von Karl Hueber (künftig KPO) ersetzt.
10. Juni
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Komplottprozeß gegen Dr. Karl Roos in Bisanz (Besançon).
22. Juni
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Dr. Karl Roos wird freigesprochen.
Juli
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Gründung der Kommunistischen Partei Opposition (KPO) durch Karl Hueber.
7. Dezember
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Gründung der Elsaß-Lothringer Zeitung (ELZ) als gemeinsamer Organ der Unabhängigen Landespartei und der Elsaß-Lothringischen Fortschrittspartei. Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen beiden Parteien.
1932
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8. Mai Die Autonomisten Thomas Seltz (EVP, 75% in Erstein), Michel Walter (EVP, 64% in Hagenau), Henri Meck (EVP, 71% in Molsheim), Karl Elsässer (EVP, 55% in Weißenburg), Marcel Stürmel (EVP, 59% in Altkirch), Joseph Rossé (EVP, 51% in Colmar), Camill Bilger (EVP, 53% in Gebweiler), Medard Brogly (EVP, 55% in Mülhausen), Joseph Brom (EVP, 59% in Thann), Camill Dahlet (ELFP, 56% in Zabern) und Hans-Peter Murer (KPO, 48% in Straßburg) werden in die französische Nationalversammlung gewählt. 1935
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4. September Dr. Eugen Ricklin, ehemaliger Landespräsident, stirbt in Dammerkirch. 1936
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18. Juni Gründung der Elsaß-Lothringer Partei (Hermann Bickler) 1937
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13. Hornung Versammlung eines elsaß-lothringischen Landtags in Metz; Robert Schuman (LVP) und Hans-Peter Murer (KPO) plädieren für Autonomie. 21. Hornung
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Demonstrationen in Straßburg und Colmar.
15. Mai
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Versammlung des Landtags in Straßburg; Robert Schuman (LVP), Camill Dahlet (ELFP), Thomas Seltz (EVP), Paul Schall (ULP) und Michel Walter (EVP) plädieren für Autonomie.
1939
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4. Hornung Dr. Karl Roos wird verhaftet. 21. April
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Die Elsaß-Lothringer Partei (Hermann Bickler) wird verboten.
6. Mai
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Die Zeitung Frei Volk, Organ der Elsaß-Lothringer Partei, wird verboten.
Juli
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Die Unabhängige Landespartei (Paul Schall) fusioniert mit der Arbeiter- und Bauernpartei (Hans-Peter Murer) in die Elsaß-Lothringische Arbeiter- und Bauernpartei.
31. August
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Die Elsaß-Lothringer Zeitung, Organ der Elsaß-Lothringischen Arbeiter- und Bauernpartei wird verboten.
2. September
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116.000 Straßburger werden nach Frankreich (Indre, Dordogne) deportiert.
3. September
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Frankreich erklärt den Krieg an Deutschland.
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1939-1945 der II. Weltkrieg
1939
26. Oktober |
Dr. Karl Roos wird in Nanzig (Nancy) zum Tode verurteilt. Sofort nach der Verurteilung mußte Dr. Karl Roos die schmutzigen Sträflingkleider anziehen und in die sogenannte Todeszelle gehen. Der Gefangene wurde Tag und Nacht von einem Wächter bewacht. Bei Eintritt der Dunkelheit wurden ihm Handfesseln angelegt, somit war er an Händen und Füssen gefesselt, denn Tag und Nacht trug er an den Füssen etwa 10 Pfund schwere Ketten. Was das bedeutet, kann sich ein Außenstehender nur schwer vorstellen, trotzdem blieb Dr. Karl Roos durch diese Behandlung völlig ungebrochen. 31. Oktober
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Die Elsaß-Lothringische Arbeiter- und Bauernpartei wird verboten.
Die Abgeordneten Joseph Rossé (EVP), Marcel Stürmel (EVP) und Hans-Peter Murer (ELABP) sowie Dr. Joseph Oster, Jean Keppi, Paul Schall (ELABP), René Hauß (ELABP), René Schlegel (ELABP), Camill Meyer, Hermann Bickler (ELP), Peter Bieber (ELP) und Victor Antoni werden in Nanzig (Nancy) interniert - sie wurden daher die Nanziger genannt. 1940
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7. Hornung Morgens gegen 6 Uhr ging die Tür der Todeszelle auf und Oberst Marcy trat ein. Dr. Karl Roos schlief noch, ein Zellengenosse weckte ihn. Er erkennt den Obersten. Dieser sprach zu ihm: Roos, haben Sie Mut! Ihre Stunde ist gekommen. Dr. Karl Roos erwiderte: Ich protestiere. Sie wissen sehr gut, daß ich unschuldig bin. Vor dem Gefängnis erwartete ein Kraftwagen den zum Tode Verurteilten. Nach etwa 20 mn Fahrt kam der Wagen in dem gleichen Ort Champigneulles an. Auf dem Schießstand wurde der Richtpfahl in die Erde geschlagen. Dr. Karl Roos nahm Abschied von dem Geistlichen mit den Worten: Ich sterbe getreu meinem Glauben, meiner Heimat und meinen Freunden. Zwei Soldaten führten ihn an den Pfahl. Er durfte nicht aufrecht sterben. Die Franzosen wollten den schuldlos Verurteilten noch in der Stunde des Todes demütigen. Man zwang ihn niederzuknien, band ihm die Hände auf dem Rücken zusammen und die diese an den Pfahl. Zugleich wurden ihm die Augen verbunden. Seine letzten Worte waren: Jesu! Dir mein Leben! Jesu! Dir mein Tod! Neun Meter vor dem Pfahl hatte das Exekutionspeloton Aufstellung genommen. Dem 12. Mann wurde der Befehl erteilt, auf das Herz zu zielen. Die Salve krachte, Dr. Karl Roos hatte sein Leben ausgehaucht. Trotzdem mußte ihm ein Unteroffizier noch den vorschriftsmäßigen Gnadenschuß in den Nacken geben. Auf dem Friedhof von Champigneulles, oben in der südwestlichen Ecke, wurde Dr. Karl Roos bestattet. Ein einfaches Holzkreuz, das nur den Namen Roos trug, bezeichnete das Grab. 11. Juni
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