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Tabellarische Geschichte Elsaß-Lothringens
Französische Besatzung (1918-1940)

1918
eine frankophilie Tageszeitung: Dernires Nouvelles d'Alsace

26. November
Elsaß-Lothringen wird direkt von Paris aus verwaltet.
14. Dezember Die Ausweise A, B, C, u. D
Die elsaß-lothringische Bevölkerung wird in 4 Kategorien sortiert:
  • A - Einwohner, deren Eltern/Großeltern in Frankreich oder Elsaß-Lothringen vor 1870 geboren sind und soeben als Franzosen gelten.
  • B - Einwohner, deren ein Eltern/Großelternteil nicht französischer oder elsaß-lothringischer Herkunft war.
  • C - Einwohner, deren Eltern/Großeltern aus einem mit Frankreich verbündeten oder neutralen Staat stammen.
  • D - Einwohner, deren Eltern/Großeltern aus dem übrigen Deutschen Reich bzw. aus Österreich-Ungarn stammen.
Dieser System führte eine regelrechte ethnische Säuberung ein.

Ethnische Suberung  la franaise Ethnische Suberung  la franaise

In Colmar wirft ein gewisses Frl. Matter die Milchflasche für das Kindlein einer ausgewiesenen Mutter, mit dem Schrei: "Un enfant boche ne boira pas du lait français!" (=ein schwäbisches Kind darf keine französische Milch trinken!)

Ortschaftsnamen, Straßennamen, Vornamen... manchmal auch Familiennamen werden übersetzt, ebenfalls auf Grabsteinen
.

Französisch wird alleinige Unterrichtssprache
.
1919
23. Jänner

Graf Rapp, René Ley und Dr. Kaspar Muth (Badisches Trio) rufen von München aus die Elsaß-Lothringer zum Aufstand gegen Frankreich auf.
16. April
Frankreich gründet einen Generalkommissariat für Elsaß-Lothringen.
Das Badische Trio gründet in Baden-Baden ein Exekutiv-Komitee der Republik Elsaß-Lothringen und die Elsaß-Lothringische Autonomisten- und Nationalistenpartei.
31. Mai
Frankreich läßt eine Rheinland-Republik proklamieren.
28. Juni
Der Versailler Vertrag wird unterschrieben. (Er wurde weder vom Nationalrat noch von der elsaß-lothringischen Bevölkerung per Volksabstimmung ratifiziert).
17. Oktober
Elsaß-Lothringen wird als Land aufgelöst.
30. Oktober
Die Elsaß-Lothringische Föderalistenpartei und die Elsaß-Lothringische Liga werden verboten.
Bei den Parlamentswahlen 1919 dürfen nur französischorientierte Parteien antreten. Durch eine Allianz mit der französischen Rechte (Nationalblock) werden viele Abgeordnete der Elsässischen bzw. Lothringischen Volksparteigewählt (u.a. Walter, Pfleger u. Schuman).
1920
16. März

Der amerikanische Senat lehnt die Ratifizierung des Versailler Vertrags ab (u.a. wegen der Frage Elsaß-Lothringens).
21. April
Generalstreik in Elsaß-Lothringen.
15. Mai
Das Badische Trio wird im Abwesenheitsverfahren zu lebenslanger Deportation verurteilt.
1924
19. Juni

Robert Schuman (Lothringische Volkspartei) liest vor der französischen Nationalversammlung eine Protesterklärung gegen die französische Politik in Elsaß-Lothringen.
13. November
21 elsaß-lothringische Abgeordnete verlassen die Nationalversammlung aus Protest gegen die Französierungspolitik. Elsaß-Lothringen wird erneut von einer Generaldirektion direkt von Paris aus verwaltet.
1925
9. Mai

Erste Nummer der Wochenzeitung Die Zukunft (Paul Schall, René Hauß)


1926
1. Hornung

Der autonomistische Flügel der Elsässischen Volkspartei schließt eine Einheitsfront mit den Kommunisten von Karl Hueber ab.
7. Juni
Manifest des Heimatbundes.
8. Juni
Die Kommunistische Partei unterstützt den Heimatbund.
8. August
Zusammenarbeit des Heimatbundes mit A Muvra (Korsika) und Breiz Atao (Bretagne).
22. August
Blutiger Sonntag in Colmar.
31.Oktober
Gründung der Elsässischen Fortschrittspartei (Camill Dahlet)
29. November
Die Elsässische Volkspartei wählt ein autonomistisches Programm.
1927
8.-12. April

Colmarer Prozeß gegen die Autonomisten.
August
Gründung der Bretonischen Autonomistischen Partei (Strollad Emrenerien Vreiz)
12. September
Die Charta des Zentralkomitees der Nationalen Minderheiten Frankreichs wird in Kemper (Bretagne) unterschrieben.
15.-21. September
Kongreß der Autonomisten in Montroulez (Bretagne)
25. September
Gründung der Elsaß-Lothringischen Autonomistenpartei (Karl Roos)






12. November
Die Zukunft, Die Volksstimme und Die Wahrheit werden verboten.
19. November
Die Elsaß-Lothringische Autonomistenpartei wird zur Unabhängigen Landespartei.
1.Dezember
Joseph Rossé (Elsässische Volkspartei) wird verhaftet.

Joseph Ross
30. Dezember
Paul Schall (Landespartei) wird verhaftet
1928
1. Jänner

Camill Dahlet übernimmt die Zeitschrift Das Neue Elsaß
3. Jänner
René Hauß (Landespartei) wird verhaftet.

Ren Hau

30. Jänner

Die Zeitung D'r Schliffstaan wird verboten.

1. Hornung
Die Zeitschrift D'r Müehlstaan wird verboten.
24. Hornung
Marcel Stürmel (KP) wird verhaftet.
16. März
Dr. Eugen Ricklin (Elsässische Volkspartei) wird verhaftet.

17. März
Die Zeitung Das Neue Elsaß (Camill Dahlet) wird verboten.
29. April
Die Autonomisten Camill Dahlet (ELFP, 54% in Zabern), Hans-Peter Murer (KP, 52% in Straßburg), Michel Walter (EVP, 58% in Hagenau), Henri Meck (EVÜ, 62% in Molsheim), Camill Bilger (EVP, 54% in Gebweiler), Medard Brogly (EVP, 52% in Mülhausen), Joseph Brom (EVP, 50% in Thann), Dr. Eugen Ricklin (EVP, 63% in Altkirch) und Joseph Rossé (EVP, 52% in Colmar) werden in die Nationalversammlung gewählt.
1.-28. Mai
Komplottprozeß von Colmar. Die Abgeordneten Dr. Eugen Ricklin und Joseph Rossé, sowie Paul Schall, werden zu einem Jahr Gefängnis und 5 Jahre Aufenthaltsverbot verurteilt. Unter den Angeklagten findet man Dr. Albert Schweitzer (!), Erwin v. Steinbach (1250-1318), sowie Albrecht Dürer (1471-1528)...?!!
12. Juni
Im Abwesenheitsverfahren werden René Ley zu 20 Jahren Haft, Dr. Karl Roos (ULP), Dr. Robert Ernst und Emil Pinck zu 15 Jahren Haft verurteilt.
26. Juni
Camill Dahlet gründet die Wochenzeitung Freie Zeitung.
14. Juli
Joseph Rossé (EVP) und Paul Schall (ULP) werden von Staatspräsident Paul Doumergue begnadigt.
23. Juli
Dr. Eugen Ricklin wird begnadigt.
31. Juli
Gründung der Elsaß-Lothringischen Einheitsfront aus der Volkspartei, der Unabhängigen Landespartei, der KPO et der ELFP.
21. Oktober
Bei den Kantonalwahlen erhält die autonomistische Einheitsfront 13 Sitze von 35 im Unterelsaß und 11 Sitze von 26 im Oberelsaß.
8. November
Die Nationalversammlung annuliert die Wahl der Abgeordneten Ricklin und Rossé.
9. November
Dr. Karl Roos erscheint als Redner bei einer Großkundgebung der Unabhängigen Landespartei mit den Kommunisten der künftigen KPO im Sängerhaus in Straßburg.
10. November
Dr. Karl Roos ergibt sich der französischen Polizei und wird in Bisanz (Besançon) interniert.
2. Dezember
1. Landesparteitag der Elsaß-Lothringischen Fortschrittspartei. Camill Dahlet Landesvorsitzender, Dr. Ing. Brumder, Stellv. Landesvorsitzender, F. Goetzmann Generalsekretär.
17. Dezember
Die Elsässische Volkspartei (EVP) spaltet sich. Gründung der französischorientierten Action Populaire Nationale d'Alsace (APNA). 4 Senatore, 3 Abgeordnete und 18 Generalräte gehen zur APNA über.
1929
Jänner

Debatte über die elsaß-lothringische Frage in der französischen Nationalversammlung: Joseph Brom (EVP), Michel Walter (EVP), Robert Schuman (LVP) und Camill Dahlet (ELFP) plädieren für Autonomie.
4. Mai
Demonstrationen in Straßburg zur Unterstützung von Karl Roos.
12. Mai
Gemeindewahlen: die autonomistische Einheitsfront bekommt 53% in Straßburg. Dr. Karl Roos (ULP) wird zum Oberbürgermeister gewählt. Da er in Haft ist, tritt er zurück und wird von Karl Hueber (künftig KPO) ersetzt.
10. Juni
Komplottprozeß gegen Dr. Karl Roos in Bisanz (Besançon).
22. Juni
Dr. Karl Roos wird freigesprochen.
Juli
Gründung der Kommunistischen Partei Opposition (KPO) durch Karl Hueber.
7. Dezember
Gründung der Elsaß-Lothringer Zeitung (ELZ) als gemeinsamer Organ der Unabhängigen Landespartei und der Elsaß-Lothringischen Fortschrittspartei. Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen beiden Parteien.
1932
8. Mai

Die Autonomisten Thomas Seltz (EVP, 75% in Erstein), Michel Walter (EVP, 64% in Hagenau), Henri Meck (EVP, 71% in Molsheim), Karl Elsässer (EVP, 55% in Weißenburg), Marcel Stürmel (EVP, 59% in Altkirch), Joseph Rossé (EVP, 51% in Colmar), Camill Bilger (EVP, 53% in Gebweiler), Medard Brogly (EVP, 55% in Mülhausen), Joseph Brom (EVP, 59% in Thann), Camill Dahlet (ELFP, 56% in Zabern) und Hans-Peter Murer (KPO, 48% in Straßburg) werden in die französische Nationalversammlung gewählt.
1935
4. September

Dr. Eugen Ricklin, ehemaliger Landespräsident, stirbt in Dammerkirch.
1936
18. Juni

Gründung der Elsaß-Lothringer Partei (Hermann Bickler)
1937
13. Hornung

Versammlung eines elsaß-lothringischen Landtags in Metz; Robert Schuman (LVP) und Hans-Peter Murer (KPO) plädieren für Autonomie.
21. Hornung
Demonstrationen in Straßburg und Colmar.
15. Mai
Versammlung des Landtags in Straßburg; Robert Schuman (LVP), Camill Dahlet (ELFP), Thomas Seltz (EVP), Paul Schall (ULP) und Michel Walter (EVP) plädieren für Autonomie.
1939
4. Hornung

Dr. Karl Roos wird verhaftet.
21. April
Die Elsaß-Lothringer Partei (Hermann Bickler) wird verboten.
6. Mai
Die Zeitung Frei Volk, Organ der Elsaß-Lothringer Partei, wird verboten.
Juli
Die Unabhängige Landespartei (Paul Schall) fusioniert mit der Arbeiter- und Bauernpartei (Hans-Peter Murer) in die Elsaß-Lothringische Arbeiter- und Bauernpartei.
31. August
Die Elsaß-Lothringer Zeitung, Organ der Elsaß-Lothringischen Arbeiter- und Bauernpartei wird verboten.
2. September
116.000 Straßburger werden nach Frankreich (Indre, Dordogne) deportiert.
3. September
Frankreich erklärt den Krieg an Deutschland.

 1939-1945 der II. Weltkrieg 
1939
26. Oktober

Dr. Karl Roos wird in Nanzig (Nancy) zum Tode verurteilt. Sofort nach der Verurteilung mußte Dr. Karl Roos die schmutzigen Sträflingkleider anziehen und in die sogenannte Todeszelle gehen.
Der Gefangene wurde Tag und Nacht von einem Wächter bewacht. Bei Eintritt der Dunkelheit wurden ihm Handfesseln angelegt, somit war er an Händen und Füssen gefesselt, denn Tag und Nacht trug er an den Füssen etwa 10 Pfund schwere Ketten. Was das bedeutet, kann sich ein Außenstehender nur schwer vorstellen, trotzdem blieb Dr. Karl Roos durch diese Behandlung völlig ungebrochen.
31. Oktober
Die Elsaß-Lothringische Arbeiter- und Bauernpartei wird verboten.
Die Abgeordneten Joseph Rossé (EVP), Marcel Stürmel (EVP) und Hans-Peter Murer (ELABP) sowie Dr. Joseph Oster, Jean Keppi, Paul Schall (ELABP), René Hauß (ELABP), René Schlegel (ELABP), Camill Meyer, Hermann Bickler (ELP), Peter Bieber (ELP) und Victor Antoni werden in Nanzig (Nancy) interniert - sie wurden daher die Nanziger genannt.
1940
7. Hornung

Morgens gegen 6 Uhr ging die Tür der Todeszelle auf und Oberst Marcy trat ein. Dr. Karl Roos schlief noch, ein Zellengenosse weckte ihn. Er erkennt den Obersten. Dieser sprach zu ihm: Roos, haben Sie Mut! Ihre Stunde ist gekommen. Dr. Karl Roos erwiderte: Ich protestiere. Sie wissen sehr gut, daß ich unschuldig bin.
Vor dem Gefängnis erwartete ein Kraftwagen den zum Tode Verurteilten. Nach etwa 20 mn Fahrt kam der Wagen in dem gleichen Ort Champigneulles an. Auf dem Schießstand wurde der Richtpfahl in die Erde geschlagen. Dr. Karl Roos nahm Abschied von dem Geistlichen mit den Worten: Ich sterbe getreu meinem Glauben, meiner Heimat und meinen Freunden.
Zwei Soldaten führten ihn an den Pfahl. Er durfte nicht aufrecht sterben. Die Franzosen wollten den schuldlos Verurteilten noch in der Stunde des Todes demütigen. Man zwang ihn niederzuknien, band ihm die Hände auf dem Rücken zusammen und die diese an den Pfahl. Zugleich wurden ihm die Augen verbunden. Seine letzten Worte waren: Jesu! Dir mein Leben! Jesu! Dir mein Tod! Neun Meter vor dem Pfahl hatte das Exekutionspeloton Aufstellung genommen. Dem 12. Mann wurde der Befehl erteilt, auf das Herz zu zielen. Die Salve krachte, Dr. Karl Roos hatte sein Leben ausgehaucht. Trotzdem mußte ihm ein Unteroffizier noch den vorschriftsmäßigen Gnadenschuß in den Nacken geben.
Auf dem Friedhof von Champigneulles, oben in der südwestlichen Ecke, wurde Dr. Karl Roos bestattet. Ein einfaches Holzkreuz, das nur den Namen Roos trug, bezeichnete das Grab.
11. Juni
Die Wehrmacht besetzt Colmar.
19. Juni
Die Wehrmacht besetzt Straßburg und befreit das französische Konzentrationslager von Arches, bei Spinneln (Epinal).

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