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Die Night of the Proms - erstmals mit Dirigentin

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München - Dirigent Robert Groslot ist in den Ruhestand gegangen. An seine Stelle tritt Alexandra Arrieche. Doch es gibt noch mehr Veränderungen bei der Night of the Proms.

Man hatte sich an seinen Wuschelkopf gewöhnt, die hagere Figur, die wie ein Fels in der Brandung zwischen Pop und Klassik den Taktstock schwang. Aber Robert Groslot (65) ist in den Ruhestand gegangen. An seine Stelle tritt Alexandra Arrieche, eine temperamentvolle Brasilianerin, unter der das Orchester fest in Frauenhand ist. Natürlich auch die Stars: Simple Minds, Ronan Keating, Natasha Bedingfield, Stefanie Heinzmann und das Streichertrio Time For Three.

Maestra Arrieche kennt alle Pop-Hits, verriet uns John Miles, der auch wieder mit im Boot ist: „Während sie dirigiert, singt sie die Texte mit.“

Maestra Arrieche ist nicht die einzige Veränderung bei der Proms 2016. Denn so viele Kooperationen wie heuer gab es noch nie. So konnte man bei der Deutschlandpremiere in Mannheim John Miles und Ronan Keating im Cat-Stevens-Duett Father And Son erleben. Time For Three erinnerten mit Stefanie Heinzmann an die Jackson Five und verhalfen den Simple Minds zu einer höchst emotionalen Version von Belfast Child. Die stahlen Altmeister Miles mit seinem Music was my first Love fast die Show.

Emotionen wurden großgeschrieben. Time For Three widmeten eine herzzerreißende Komposition den Opfern des Anschlags auf den Pariser Club Bataclan. An Prince wurde mit Purple Rain erinnert, und am Schluss sangen alle zusammen David Bowies Heroes.

Während altgediente Stars wie Simple Minds, John Miles und Ronan Keating vom Publikum sofort mit offenen Armen empfangen wurden, musste Stefanie Heinzmann erst beweisen, was sie kann. Wer die Schweizerin bisher nicht kannte, dem klappte die Kinnlade runter – als die Sängerin, die aussieht wie das leicht nerdige Mädchen, das wir alle in der Schule gekannt haben, ihre explosive Stimme auspackte …

Wenn es aber darum geht, was die Proms-Crew am nächsten Morgen beim Frühstück vor sich hinträllerte, dann stahl wohl doch eine allen anderen die Show: Natasha Bedingfield mit ihrem Hit Words und ihren freizügigen Bühnen-Outfits, die erstmals so etwas wie Erotik bei der Night of the Proms erlauben. So ist die große Crossover-Show in diesem Jahr fest in Frauenhand.

Heinzmann: Ich bin das Küken? Das ist kein Problem!

Bei

Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann. © dpa

jeder Night of the Proms gibt es ein Küken, das erst zeigen muss, dass es gegen die Veteranen des Popgeschäfts bestehen kann. Heuer ist das Stefanie Heinzmann, die 27-jährige Schweizerin, die in Soulkreisen bereits einen Namen hat und nun den Proms-Fans vorgestellt wird. Wir sprachen in Mannheim mit der sympathischen Eidgenossin.

Stört es Sie, wenn Sie bei der Proms als das Küken vorgestellt werden?

Stefanie Heinzmann: Ich bin das gewohnt. Ich bin immer das Küken. Ich habe einen sieben Jahre älteren Bruder, da bin ich immer die Kleine. Und auch meine Band – da sind fast alle schon vierzig. Ich hätte nur ein Problem: wenn ich die Kleine wäre und mich niemand respektiert.

Die Proms-Familie nimmt neue Mitglieder schnell auf. Wurden Sie schon mit den wichtigsten Anekdoten versorgt?

Heinzmann: Das ist der Wahnsinn. Einige habe ich schon mitbekommen. Ich schätze, ich werde in den nächsten Wochen noch richtig eingeführt (lacht). Jeder, der hier arbeitet, vom Catering über die Crew bis hin zum Orchester, ist wahnsinnig nett. Du hast nie das Gefühl, die Neue zu sein, die sich beweisen muss.

Sonst kommen die Leute zu Ihren Konzerten, weil sie Sie kennen. Das ist bei dem Proms ja jetzt anders ...

Heinzmann: Das ist ein ganz schöner Punkt. Weil ich weiß, dass Leute da unbefangen rangehen. Es ist natürlich ganz schön praktisch, mich dann mit so einem massiven Orchester vorzustellen (lacht).

Hatten Sie auch Angst, dass es in die Hose geht?

Heinzmann: In die Hose geht das nicht. Weil wir Musik machen, und die lebt von dem Augenblick. Es passiert oft, dass etwas Cooles entsteht, gerade weil etwas schiefgelaufen ist. Das wird dann für die nächste Show eingeprobt.

Soul ist inzwischen oft zur Musik für Stehpartys im Goldlaméekleid verkommen. Sie treten gerne in zerrissenen Jeans auf. Ist das ein Statement?

Heinzmann: Ich sehe das nicht unbedingt als Protest. Ich fühle mich dann halt so. Sonst würde ich mich unwohl fühlen.

Gibt es eine Rückkehr zum handgemachten Soul?

Heinzmann: Ich glaube, das war jetzt eine Zeit lang eine spannende Reise ins digitale Zeitalter. Aber es gibt doch Leute, die inzwischen das Echte vermissen. 

Night of the Proms: Dreimal in München

Dreimal gastiert die Night of the Proms in der Olympiahalle: am 9. und 10. Dezember um 20 Uhr sowie am 11. Dezember um 15 Uhr. Unterstützt vom Orchester Il Novecento treten die Simple Minds, Ronan Keating, Natasha Bedingfield, Stefanie Heinzmann, Time For Three und John Miles auf. Karten zu 60 bis 84 Euro auch unter www.notp.com/deutschland. Es gibt auch VIP-Pakete für 275 Euro inklusive Konzertticket, Parkgutschein, Zugang zur VIP-Area mit Gastronomie - und Zugang zur After Show Party.

Antonio Seidemann

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