Nach mauem Start mit Romantic Comedy fand Edward Zwick mit „Glory“ sein Steckenpferd, den Militärfilm.
Amerika zur Zeit des Krieges Nordstaaten vs. Südstaaten: Der junge Nordstaaten-Offizier Robert Gould Shaw (Matthew Broderick) kommt aus gutem Hause und wird auf dem Schlachtfeld erstmals mit den Schrecken des Krieges auf besonders krasse Weise konfrontiert. In einer Schlacht wird er zudem am Hals verwundet und kommt nach Lazarettaufenthalt erst mal nach Hause zurück. Mit der Einführung wird Shaw vorgestellt, wobei vor allem der Umstand, dass er unvorbereitet ins Gefecht zog, später bei der Ausbildung des Regiments noch mal aufgegriffen wird.
Nach seiner Genesung bietet man Shaw eine Beförderung und einen ganz besonderen Auftrag bedacht: Er soll ein komplett aus Schwarzen bestehendes Regiment ausbilden. Freudig strömen Schwarze von überall her, um in dem Krieg mitzukämpfen, der sich um ihre Befreiung aus der Sklaverei dreht und bisher nur von Weißen gefochten wurde. „Glory“ basiert auf realen Ereignissen, denn das besagte 54te Regiment, dessen Geschichte der Film schildert, gab es wirklich.
Doch die Ausbildung erweist sich als nicht so einfach wie gedacht: Unterschwellig brodeln auch in den Nordstaaten noch Rassenkonflikte, viele der Rekruten haben Probleme mit Autorität und gleichzeitig muss dafür kämpfen, dass sein Regiment genauso behandelt wird wie die aus weißen bestehenden Regimenter…
„Glory“ ist ein ambitioniertes Drama über Rassendiskriminierung, allerdings muss sich Zwicks Werk den Vorwurf gefallen lassen, etwas sehr glatt zu sein. Denn die Diskriminierung der Schwarzen innerhalb der Nordstaatenarmee wirkt doch gar nicht so herbe, obwohl sich der Rassenhass in Amerika ja noch bis ins 20te Jahrhundert hielt. Das raubt Zwicks Film leider etwas an Brisanz, die andere Rassendramen wie „Mississippi Burning“ auszeichnete.
Doch trotzdem weiß der Film zu gefallen, denn er ist trotz einiger kleinerer Längen recht spannend und fesselnd erzählt. So kann die Geschichte den Zuschauer packen, auch wenn sie die meiste Zeit über recht konventionell verläuft und nur das Zusammenwachsen des Regiments schildert wie zig andere Militärfilme auch. Erst die letzten Minuten präsentieren ein paar wirklich ungewohnte Wendungen. Doch trotz der Konventionalität weiß „Glory“ zu unterhalten, denn Zwick erschafft sehr plastische und glaubwürdige Charaktere wie den jungen Hitzkopf Trip (Denzel Washington) oder den besonnenen John Rawlins (Morgan Freeman), die dem Zuschauer ans Herz wachsen. Gespannt verfolgt man den Werdegang der Figuren und durch den geschickten Einsatz von Musik sowie die guten Schauspielerleistungen kommt das zwischenmenschliche Drama auch recht emotional rüber.
Großartige Konfrontationen sollte man allerdings nicht erwarten, denn „Glory“ nutzt den Krieg eher als Kulisse. So geht es nur selten zur Sache, doch die Schlachtszenen sind ziemlich packend inszeniert, wenn sie dann kommen. Zwar erreichen sie keine Referenzklasse, sind aber dennoch gut wie realistisch gemacht. Einige Szenen weisen zudem Parallelen zu Zwicks späterem Meisterstück „Last Samurai“ auf, z.B. wenn Shaw einem unerfahrenen Rekruten beibringen will sein Gewehr unter Gefechtslärm nachzuladen oder die Streitmacht im Wald von Reitern attackiert wird.
„Glory“ funktioniert in erster Linie allerdings wegen seiner Schauspieler. Lediglich Hauptdarsteller Matthew Broderick wirkt doch etwas bubihaft und blass in seiner Soldatenrolle, liefert aber trotzdem eine ganz gute Leistung ab. Doch neben zwei Topschauspielern wie Denzel Washington und Morgan Freeman verblasst er dann doch, denn die beiden spielen den Rest der Besetzung klar an die Wand. Dabei gibt es jedoch durch die Bank weg gutes Schauspiel zu sehen, bis in die kleinste Nebenrolle hinein.
So bleibt zum Schluss ein sehr gut gespieltes Kriegsdrama, dass trotz der eher konventionellen Story und der etwas zu glatten Behandlung der Rassendiskriminierung zu packen weiß.