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Review

Johnny Mercer, Songwriter und Komponist, wurde 1909 in Savannah, Georgia, Südstaaten, geboren und ist dort auch beerdigt.
In diesem Film geht es nicht wirklich um Johnny Mercer; aber da Clint Eastwood ein großer Musikfan ist (was man in absolut jedem seiner eigenen Filme mitbekommt sowie in einigen, in denen er nur mitspielt), musste ihn Savannah als Location schon deshalb interessieren. Und so sieht man auch zu Beginn des Films einen Friedhof mit Mercers Grab und eine Statue, die eine Art Justitia mit den beiden Wagschalen darstellt. Gerechtigkeit ist hier das Thema, aber wie so oft kann sie nicht zur völligen Zufriedenheit hergestellt werden, es sei denn, das Schicksal selbst greift ein - wie es in diesem Film geschieht.
Ein vielversprechendes Thema, es hätte nicht viel schief gehen dürfen, wenn Eastwood sich nur diesmal nicht von seinem Hang zur Neuentdeckung der Langsamkeit dermaßen hätte hinreißen lassen. Der Kriminalfall, um den es geht - eine schwer durchschaubare Schießerei im Mercer (!) - Haus - ist doch nicht so interessant, wie es der Film gern hätte, die Gerichtsverhandlung nicht ernsthaft spannend, und das Schicksal des Angeklagten (Kevin Spacey) lässt uns auch seltsam kalt, was in Eastwoods Filmen sonst sehr untypisch ist. Vielleicht liegt es daran, dass er, wenn er selbst nicht mitspielt, nicht ganz so viel Herzblut in seine Arbeit legen kann (m.E. tritt nämlich dieses Problem schon in seinem "Bird" auf).
Dabei ist die Gestaltung des Films durchaus ansprechend: wie die Justitia-Statue zu Beginn und zum Schluss des Films zu sehen ist, so schließen sich noch viele andere Kreise: es gibt zwei verschiedene Leichen, die in gleicher Haltung auf demselben Teppich liegen, es gibt zwei Voodooszenen auf dem Friedhof (dem "Garten von Gut und Böse"), zwei Szenen, in denen die Voodoo - Hexe auf einer Parkbank sitzt und mit einem Eichhörnchen spielt, zweimal, eher am Anfang und fast ganz zum Schluss, stolziert ein Transvestit die Straße entlang, und sicher lässt sich noch mehr dieser Art finden, aber die Handlungsbögen dazwischen sind so lang, dass es kaum auffällt: wir mögen das Legen solcher Spuren zweifellos seit Hitchcock, aber Hitch hätte eine solche Geschichte nie auf fast 150 Minuten gedehnt, bis sie wie ein endloser Jack-Daniels-Werbespot wirkt. Und auf der anderen Seite reicht selbst diese lange Zeit oft kaum, um Entwicklungen glaubhaft darzustellen: so bahnt sich z.B. nach und nach eine Liebesbeziehung an zwischen dem Reporter (John Cusack) und einer strahlenden Ortsschönen (Clints entzückende Tochter Alison), und die Beziehung kommt sogar zustande, aber die Schritte bis dorthin wirken leider völlig abgehackt, kaum nachvollziehbar und leidenschaftslos. Der bereits erwähnte Voodoozauber lässt keine Entscheidung unsererseits zu, ob er nun zu den Skurrilitäten der Stadt gehört oder ernst genommen werden soll - irgendwie stimmt Beides, aber das Mischungsverhältnis will nicht aufgehen. Und der Transvestit (überhaupt geht's hier erstaunlich viel um Homosexualität) bringt zwar eine Menge Komik, aber leider auch alle abgedroschenen Tuntenklischees in die Handlung. Faszinierend dagegen ist der Mann mit der vermeintlichen Giftflasche, der lebende Schmeißfliegen an Fäden mit sich führt - wenn auch schwer zu begreifen ist, wieso er das tut.
Fazit: Eastwood dreht so viele wirklich gute Filme, das es nicht schwer fällt, auch an diesem irgendetwas zu mögen und den Rest zu verzeihen, aber kaum jemand dürfte interessiert sein, sich das ein zweites Mal anzuschauen. Und man sollte sehr ausgeschlafen sein, um dabei nicht müde zu werden.

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