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Review

Kevin Spacey spielt einen homosexuellen Antiquitätenhändler, der des Mordes an seinem Geliebten, gespielt von Jude Law, beschuldigt wird. Schließlich wird Spacey sogar vor Gericht gestellt, doch ein Reporter, der am Tatabend anwesend war, gespielt von John Cusack, verfolgt den Prozess und versucht zusammen mit Spaceys Anwalt eine Strategie für den Prozess zu entwickeln, da er von der Unschuld des gutmütigen Antiquitätenhändlers überzeugt ist und glaubt, dass er nur wegen Vorurteilen vor Gericht gestellt wurde.

Clint Eastwood ist definitiv eine der letzten wahren Größen, die das Filmgeschäft noch hat. Als Darsteller erreichte er schnell den Kultstatus, woraufhin er auch als Regisseur und Produzent sehr erfolgreich in Erscheinung treten konnte. Und nach ein paar ganz netten Action-Filmen und Thrillern, lieferte er schließlich mit "Erbarmungslos" eine absolut überragende Arbeit ab und fungierte sowohl als Regisseur, als Darsteller, als auch als Produzent. Zuletzt lieferte er mit "Perfekt World" und "Absolute Power" zwei weitere überzeugende Filme ab und wagt sich nun sogar an eine Literaturverfilmung und wählt sich ein wirklich komplexes Werk aus.

Eastwood zeigt jedoch die nötige Konsequenz bei seiner Inszenierung und lässt sich viel Zeit, um der Voralge gerecht zu werden, auch wenn er damit den Erfolg an den Kinokassen riskiert, da der Unterhaltungswert so vor allem Anfangs doch sehr niedrig ist. Eastwood lässt sich bei der Exposition sehr viel Zeit und konstruiert die Charaktere sehr vielschichtig. Auch im Mittelteil merkt man keinen Ansatz von erzählerischer Ungeduld, genauso wie beim Ende, wo er sich ebenfalls Zeit lässt. Das Resultat ist einfach: Der Film wird vielen Zuschauern nicht gefallen, weil er relativ langatmig geworden ist und Fans der Voralge und Freunde von Filmen des Genres werden den Film aber umso mehr mögen.

Das langsame und bedächtige Tempo wirkt sich überaus positiv auf die starke und vielschichtige Story aus, die so ohne größere Kürzungen auf die Leinwand gebracht wird. Im Wesentlichen dreht es sich, wie der Titel bereits erahnen lässt, um Gut und Böse und um Schuld und Unschuld. Das Thema wird lang und ausgiebig und dabei die ganze Zeit über vielschichtig behandelt, dabei wird der Zuschauer gleich auf mehrere falsche Fährten gelockt und am Ende mit den Fragen, wer eigentlich im Recht war, und wer im Unrecht war, allein gelassen und liefert damit einigen Stoff zum Nachdenken. Wie bei den meisten Eastwood-Filmen ist die Musik eher unauffällig, tritt aber immer an den richtigen Stellen mit den passenden Klängen ein. Darüber hinaus setzt der Oscar-Preisträger seine starke Besetzung sehr gut in Szene und liefert damit eine gelungene Literaturverfilmung ab, die stellenweise dann doch ein bisschen zu langatmig geworden ist.

John Cusack ist ein typischer Allrounder, der eigentlich immer überzeugend spielt, im Prinzip alles und jeden spielen kann und niemals wirklich schlechte Leistungen abliefert, aber nie wirklich Oscar-Reif oder mitreißend spielt und so ist es auch in "Mitternacht im Garten von Gut und Böse", wo er mal wieder die ganze Zeit über seine Erfahrung spielen lässt. Er spielt von der ersten bis zur letzten Minute hervorragend und ist als engagierter Reporter rundum überzeugend. Man sieht im die Konzentration und sein Mitgefühl mit dem homosexuellen Antiquitätenhändler die ganze Zeit über an. Kevin Spacey spielt sogar noch besser und stellt seinen Charakter sehr undurchsichtig dar und bringt so einige wirklich gelungene Überraschungen mit in den Film ein. Wie schon in seiner Oscar-Rolle in "Die üblichen Verdächtigen" passt er nahezu perfekt in diese undurchsichtige Rolle und bringt sie dermaßen überzeugend auf die Leinwand, dass man als Zuschauer wirklich nicht weiß, ob man ihn mögen oder hassen soll. Der übrige Cast kann sich ebenfalls sehen lassen und bietet mit Jude Law eine weitere altbekannte Hollywood-Größe auf.

Fazit:
Einerseits ist der Film relativ langatmig und anstrengend und zieht sich vor allem anfangs sehr in die Länge, im Endeffekt sind es die guten Darsteller, die vielschichtige Story und das überraschende Ende aber wert, sich mit dem Film zu befassen. Clint Eastwood zeigt also alles in allem, dass er auch mit einer anspruchsvollen Literaturverfilmung bestens zurecht kommt und untermauert noch einmal die Tatsache, dass er eine der größten Persönlichkeiten im Filmgeschäft ist.

64%

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