Die Geschichte des Sängers und Dichters Jim Morrison und seiner Band „The Doors“ bietet genug Stoff für einen guten Film. Und so interessierten sich unter anderem Leute wie Martin Scorsese und Brian DePalma für eine Umsetzung. Letztendlich nahm sich dann Oliver Stone des Projekts an.
Pflichtschuldig wird dabei der eine oder andere bekannte Song der Band abgearbeitet, wobei es auch einige Liveauftritte inszeniert wurden. Insbesondere die Sequenz zu „The End“ ist dabei atmosphärisch gelungen. Hierzu trägt auch Hauptdarsteller Val Kilmer bei, dessen Stimme der von Morrison mitunter zum Verwechseln ähnlich klingt.
Generell sind die Darsteller durch die Bank gut besetzt. Vor allem Kilmer zeigt eine der besten Leistungen seiner wechselhaften Karriere und zieht den Film an sich, wobei das Drehbuch auch auf seine Figur geeicht ist. Die anderen Bandmitglieder, gespielt von Kyle MacLachlan (Manzarek), Frank Whaley (Krieger) und Kevin Dillon (Densmore) verkommen zwar zu Randfiguren, können der Gruppe aber Leben einhauchen. Meg Ryan als Jims Freundin Pam Courson, dazu noch die Michaels Madsen und Wincott. Einige bekannte Gesichter also, doch bleiben die knapp 140 Minuten stets die Morrison / Kilmer – Show.
Audiovisuell ist „The Doors“ sehr gelungen. Kameramann Robert Richardson, der schon einige Male mit Stone zusammengearbeitet hat, fängt sowohl das Kalifornien der Hippieära, als auch die Konzertszenen dynamisch ein. Die Musik der Doors steht für sich selbst und wird durch zwei Stücke von Velvet Underground ergänzt.
Kritik muss sich Stone bei den Freiheiten, die er sich genommen hat, gefallen lassen und ebenso bei der Einseitigkeit. Er konzentriert sich sehr auf Morrison, von der Band an sich erfährt man nicht allzu viel. Da hätte man bei dem Filmtitel mehr erwarten dürfen. Und was er von Morrison zeigt, ist meist nur die skandalösere Seite des Künstlers. Die konsumierende, versoffene und dramatische Seite, was auch Keyboarder Manzarek bei Erscheinen des Films kritisierte. Stone ignorierte grundsätzlich den von Densemore und Krieger bei der Entstehung des Films eingebrachten Input und machte sein eigenes Ding. Einiges wurde überdramatisiert, was einen bei Stone allerdings nicht wundert. Somit sollte man nicht alles für bare Münze nehmen, als Panoptikum des Rock 'n' Roll funktioniert „The Doors“ jedoch sehr gut.
Am Ende hat Oliver Stone eine nicht realistische, aber atmosphärische Studie über eine der (meiner Ansicht nach) besten Bands ihrer Epoche abgeliefert. Mehr Denkmal denn Biographie, wenn auch vornehmlich auf Jims Person als auf die titelgebende Band bezogen. Ein rauschhafter, wenn auch streckenweise gekünstelter Bilderbogen mit einem famosen Hauptdarsteller. Ein Ausschnitt künstlerischen Schaffens, unterm Strich jedoch „nur“ Stones Version der Doors.