Die in den Staaten beliebte Zeitschrift „Rolling Stone“ veröffentlichte 2004 eine Rangliste der besten Künstler aller Zeiten. Dabei landeten „The Doors“ immerhin auf Platz 41. Sie waren eine Rockband, die 1965 in Los Angeles gegründet wurde. Ihre Mitglieder waren Jim Morrison (der legendäre Leadsänger), Ray Manzarek (Keyboarder), John Densmore (am Schlagzeug) und der Gittarist Robby Krieger. Zunächst mussten sie sich durch kleine Clubs performen, bis sie schließlich zu kontroversen Weltstars wurden. Besonders der Frontmann Jim Morrison führte ein intensives Leben. Er war bekannt für seine Frauengeschichten und seine Alkohol- bzw. Drogenexzesse. Für „The Doors“ folgten nach der Gründung 5 abwechslungs- und ereignisreiche Jahre. Insgesamt haben sie 76 Millionen Alben verkauft und noch immer gehen etwa 1 Millionen jährlich über die Ladentische. Jim Morrison starb 1971 auf mysteriöse Art und Weise. Er wurde tot in seiner Badewanne aufgefunden und angeblich wurde an seiner Leiche bis zur Beerdigung keine Autopsie vorgenommen. Manche Quellen sagen, er sei an einem Herzinfarkt gestorben, andere reden von einer Überdosis, wiederum andere meinen, er sei in einem Club gestorben und wurde tot in seine Wohnung zurückgetragen. Die gewagteste These ist freilich, dass Morrison genug vom Ruhm hatte und daher seinen Tod vorgetäuscht hat, um wieder ein normales Leben führen zu können. Nach seinem Ableben machte die Band ohne ihn weiter, allerdings erwartungsgemäß weniger erfolgreich. 1973 trennten sie sich endgültig, ließen aber die ein oder andere Wiedervereinigung zu und machten so noch den ein oder anderen Dollar Cash. Alles in Allem ist ihre Geschichte zweifellos faszinierend und ungewöhnlich, was vor allem auf den außergewöhnlichen Charakter von Jim Morrison zurückgeht. Eine Verfilmung konnte nach enormem Hickhack endgültig 1991 unter der Leitung von Oliver Stone verwirklicht werden. Es handelt sich um eine Biographie, in der Stone aber zu dramaturgischen Zwecken auch auf fiktionale Elemente zurückgriff.
Val Kilmer durfte die Rolle von Jim Morrison als zweite Wahl übernehmen. Die erste Wahl wäre der britische Rocker Ian Astbury gewesen, der das Angebot jedoch ausschlug. Kilmer bewarb sich mit Aufnahmen von ihm, in denen er Songs von den Doors nachsang. Er erteilte Stone die Aufgabe, Kilmers Aufnahmen von Originalaufnahmen zu unterscheiden und sagte ihm erst im Nachhinein, dass es sich durchweg um seine Aufnahmen handele. Seine Stimme ähnelte also tatsächlich der von Morrison, was auch die noch lebenden Bandmitglieder bestätigen konnten. Diese wurden nämlich ebenfalls in die Produktion involviert. Nicht als Schauspieler, sondern als Berater. Trotzdem zog Stone sein eigenes Ding durch und missachtete den ein oder anderen Vorschlag, den sie ihm vorlegten.
Die Betonung des Filmes liegt auf Morrison und seinem extremen Lebensstil. Er wird fast durchgehend als betrunken, bekifft oder auf einem Drogentrip dargestellt, was dem Film ein ganz eigenes Flair verleiht. Die anderen Bandmitglieder Ray Manzarek (Kyle MacLachlan, der gerne Jim Morrison verkörpert hätte) John Densmore (Kevin Dillon) und Robby Krieger (Frank Whaley) bleiben eher im Hintergrund und es wird im Film, der übrigens genauso heißt wie die Band, nicht deutlich, dass Jim Morrison zu Lebzeiten immer darauf bestanden hat, dass die ganze Band gesehen wird und nicht er als Einzelperson. Er hat sogar einst einen Fernsehauftritt verweigert, nachdem seine Band als „Jim Morrison and the doors“ angekündigt wurde. Doch zurück zur Verfilmung. Zur Story muss wohl wenig gesagt werden, da sie relativ strikt an der Biographie der Gruppe geblieben ist. Ihre Geschichte wird von der Gründung bis zum Fragen-hinterlassenden Tod von Morrison beleuchtet.
Wie ist Stone nun die Umsetzung gelungen? Ihm stand ein Budget von ungefähr 38 Millionen Dollar zur Verfügung, die er gut genutzt hat. Ich muss dazu sagen, dass ich kein großer Fan von biographischen Filmen bin, da die Handlung nicht überraschen kann und oft die Gefahr besteht, dass das Ganze dokumentarische Züge annimmt. Zweiteres kann Stone mühelos vermeiden. Ersteres lässt sich leider unmöglich vermeiden, weswegen bei dieser Art Film die Umsetzung besonders wichtig ist. Durch Spannung kann man nichts kompensieren. Aus meiner Sicht ist es Stone sehr gut gelungen. Dafür spricht auch, dass ich normalerweise kein Fan von Drogentrip-Elementen in der Cinematographie bin. „The Doors“ ist ein einziger Drogentrip und ist trotzdem absolut überzeugend, ebenso trotz seiner immensen Laufzeit von fast 2,5 Stunden.
Die geniale Musik von den Doors – neben den Originalaufnahmen wundervoll von Kilmer dargestellt – begleitet den Zuschauer über den gesamten Film und ist ein großer Pluspunkt, da optimal und pünktlich eingesetzt. Die Bilder und die angestrebte Stimmung kooperieren perfekt und ergeben eine Atmosphäre, die mitreißt und den Film trotz seiner wie erwähnt nicht erreichbaren Spannung nicht langweilig werden lässt. Die Schauspieler, allen voran Val Kilmer, vollbringen ihre Aufgabe überzeugend.
Als einzigen Nachteil möchte ich nennen, dass Morrison quasi durchweg als unter Drogeneinfluss stehend dargestellt wird. Selbst er befand sich auch gelegentlich in einem nüchternen Zustand und mit Sicherheit gab es auch darüber Aufzeichnungen. Es wäre interessant gewesen, diese in den Film mit einzufügen um zu zeigen, dass Morrison trotz seines Superidol-Statusses ein Mensch wie jeder andere gewesen ist.
Fazit: „The Doors“ ist die Biographie der gleichnamigen Band und muss ein wildes Leben darstellen. Dabei steht der kontroverse Leadsänger Jim Morrison im Vordergrund, der klasse von Val Kilmer verkörpert wird. Selbst die Mitglieder der ursprünglichen Band haben zum Ausdruck gebracht, dass Kilmer sie stark an den verstorbenen Morrison erinnert hat. Die Umsetzung der Bandgeschichte ist überzeugend gelungen, wird perfekt von der entsprechenden Musik untermalt und kann gute Schauspieler aufweisen. Einziger negativer Punkt – und den musste ich mir aus den Fingern saugen – ist, dass man Morrison ruhig auch ab und zu in nüchternem Zustand hätte darstellen können. Insgesamt fühle ich, dass ich 8 Punkte geben will.
Euer Don