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Review

Okay, ja, ich schicks gleich vorweg, damit die Hälfte mit dem Lesen aufhören kann: es ist ein Crossover aus dem Exorzisten und dem Omen. Volle Omme geklaut! Einfach zusammengemixt und zum bevorstehenden Millenium in die Kinos gehustet. Auf einer Welle mit "Bless the Child", "End of Days", "Stigmata" usw.
Und es wird noch schlimmer: kaum war der Film fertig, gabs einige katastrophale Testscreenings, dann wurde wie wild umgeschnitten und der Film für ein Jahr immer wieder im Starttermin verschoben. Und als er dann im Kino lief, wurde er von jedem Kritiker runtergeputzt und zerfleddert.

Inhaltlich kann ich dem ja zustimmen. Die Story führt sich reichlich blaß auf, führt vom einleitenden Exorzismus an einem in der Geschlossenen einsitzenden Mörder zur Reinkarnation des Satans in einem gewöhnlichen Menschen. Und das ist ausgerechnet unser Peter Kelsom alias Ben Chaplin, der sich als Autor von Theoriebüchern über das Böse, einen Namen gemacht hat. Daß dieser bis zum Arsch in einer Satanistenverschwörung sitzt, die ihn seit seiner Geburt auf sein Erbe gedrillt hat, ahnt er natürlich nicht. Das tut dafür das Bambi-Haschers Winona Ryder, die hier als klerikale Grundschullehrerin nach eigener Dämonenausfuhr ganz doll große Augen macht. Und das es hier von Devil-as-Usual-Versatzstücken nur so wimmelt (Pentagramme, fallende Kreuze, 666, seltsame Herkunft, Sprechen in Zungen, Besessenheit), ist bald auch der Letzte überzeugt.

Das Problem mit der Story ist, daß sie nicht mehr zu enthüllen hat, als jede halbwegs brauchbare Inhaltsangabe einem Zuschauer schon mit auf den Weg gibt. Wenn man weiß, worums geht, kennt man schon den ganzen Film, der dazu benutzt wird, daß seine Figuren genau das herausfinden, um dann die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Zwar können Unbedarften ein paar Zweifel kommen, ob Miss Ryder und der Rest ggf. einen an der Latte haben, weil Chaplin in freundlich-fröhlich-kirchlicher Umgebung aufgewachsen ist und nichts an des Satans Heimkehr erinnern will.

Das ist auch zu verstehen, denn Miss Ryder ist hier mal wieder gänzlich fehlbesetzt, ganz angstverzerrtes Rehlein, daß es zunächst höchstens zur besseren Nebenrolle bringt, weil sich der Film dann doch mehr auf Chaplin als Opfer konzentriert. Dessen Bewußtwerdungstrip ist dann auch etwas hastig erzählt für jemanden, dem es eigentlich gut geht. Chaplin ist recht ordentlich in seinem Job, bringt den Verwirrten auch recht gut rüber, aber als es dann ans Zeichenentdecken geht, wird's doch arg löcherig. Und wenn Ryder den Mund aufmacht, ist eh alles verloren.

Ach ja, die Zeichen! Die sind in den bewußten Teufelsfilmchen seit Ro-Ro-Rosemarie und ihrem Blag ja eigentlich das Schönste vons Ganze. Wenn dann der Himmel einstürzt und die schön rationale Realität zuschanden geht, weil man inmitten eines Schicksals von biblischen Ausmaßen steht. Das funktioniert hier auch ganz praktikabel, allerdings häuft sich eins aufs andere, bis am Ende der Ausgang ins Nichts bevorsteht.

Und was gibt es gutes zu berichten? Zum Beispiel, daß Janusz Kaminski ein perfekter Kameramann ist, die Regie allerdings noch nicht sein Hauptfach. Aber Atmosphäre erschaffen, das kann er.
Hätte er nur ein ein bißchen besseres Buch gehabt, wäre Großes drin gewesen.
Look und Style können jedoch manchmal trotzdem einen Film retten. Kaminski setzt ganz auf Halbdunkel und Gegenlicht, körnige Bilder, ausgewaschene Farben. Alles ist bleich, grau, verschwindet in lediglich als hell und dunkel zu bezeichnende Flächen. Mal strahlt es unangenehm hellweiß, dann wieder ist die Aktion ein greller Lichtstrahl in absoluter Finsternis. Leuchtende Farben gibt es hier in keiner Szene, kein Gelb, kein Blau, nicht einmal Rot. Die Komposition ist bewundernswert, hätte auch in schwarz-weiß gut funktioniert.

Und auch in punkto Spannungserzeugung funktioniert alles: ungewöhnliche Kamerawinkel, keine billigen Erschrecker, sondern eher eine Atmosphäre der Unsicherheit, der nicht faßbaren Bedrohung. Dazu Zeitlupen, Verzögerungen, langsam ins Bild gerückte Details, angereichert mit kleinen Schocks.
Auf dicke FX wird hier glücklicherweise verzichtet, wenn denn das Effektteam mal aktiv wirkt, so scheint es gar nicht recht zu passen, doch für den einen oder anderen Schock reicht es immer noch. Dennoch fügt sich das alles ins stimmige Gesamtbild ein, dient nicht selbstzweckhaft als Schauwert.
Style über Inhalt, bei "Matrix" gings ja auch.

Wo es noch hapert, ist der Schluß. Der ist gleich mehrfach gedreht worden und das was hier dabei herauskommt, ist ein Anti-Climax per excellence. Was die anderen Auflösungen drauf hatten, entzieht sich meiner Kenntnis, aber dieser Schluß ist schnell, unspektakulär und reichlich flach, aber durchaus im Sinne des sonstigen Films. Doch die Art und Weise, wie sich das Werk seiner Hauptdarsteller entledigt, beweist schon, wie wenig Tiefe wirklich in sie investiert wurde oder wie wenig am Schneidetisch von ihnen übrig geblieben ist. Ein Resumé wäre jedenfalls nicht schlecht gewesen.
Dennoch nicht der Rohrkrepierer, für den er immer gehalten wird, stattdessen ein optischer Appetithappen. (6/10)

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