Winona Ryder hat nach Bram Stocker's Dracula von Francis Ford Coppola tatsächlich nochmal in einem Horrorfilm mitgespielt. Da musste ich Lost Souls unbedingt sehen. Als ich dann aber die schlechten Bewertungen auf der OFDb und der IMDb sah schraubte ich meine Erwartungen schon mal ganz nach unten und ich war auf das Schlimmste gefasst.
Das ich hier einen katastrofalen Film erwartete, erweiste sich als gut. Jetzt, wo ich Lost Souls zu Ende geguckt habe, kann man zu meiner Riesenüberraschung doch sagen, dass ich ihn gut finde.
A Man born of incest will become satan and the world as we know it, will be no more....
Ich fing erst mal an zu gucken. Zu meiner Überraschung war der Anfang dann sehr stimmig und eigentlich sah das alles doch sehr gut aus. Ich schaute weiter und weiter und der Film gefiel mir von Minute zu Minute besser. Langweilig wars auch nicht, keineswegs. Zwar ist Lost Souls ein eher ruhiger Film, bei dem es nur ganz ab und zu ein klein wenig zur Sache geht und es gibt auch keine blutigen Effekte oder so, doch Lost Souls hat mir auf jeden Fall gut gefallen, nicht nur weil Winona Ryder mitspielt. In Sachen Winona gibts nämlich ganz klar bessere Filme.
Was ist mir als erstes aufgefallen? Es waren die brillianten Bilder von Lost Souls. Optisch ist das Ganze wirklich gelungen. Sehr gefallen hat mir die Arbeit mit der Kamera. Was einem hier an Blickwinkeln, Zeitlupen usw geboten wird ist richtig gut. Schon direkt zu Beginn ist Lost Souls rein optisch super. Es gibt Wassertropfen, die in Großaufnahme und Zeitlupe auf den Boden prasseln, es wird langsam an ein Gesicht rangezoomt, bis man den alten Herrn atmen hört, es gibt einen Sträfling, der seinen mit einem Spinnennetz tätowierten Arm in Großaufnahme ganz langsam an die Scheibe drückt und es quitescht. Es gibt unzählige fantastische Bilder zu sehen, die man selbst mit eigenen Augen gesehen haben muss. Der ganze Film hat so einen bräunlichen Ton angenommen und die Bilder sind allesamt etwas dunkel, dadurch kriegt der Film einen unheimlichen Look. Na, wenn man das bei einem Horrorfilm nicht als gelungen bezeichnen kann. Da hat jemand viel Gespür für die Kamera bewiesen. Die Bilder, die man bei Lost Souls zu sehen bekommt sind schon ziemlich geil. Lost Souls schafft es sogar eine kleine Atmosphäre aufzubauen, halt durch die düsteren Bilder und die gute Kameraarbeit. Auch die etwas ruhigere Musik trägt zur Atmosphäre bei und einbisschen hat sie bei mir auch für Spannung gesorgt. Sie passt perfekt zum Film möchte ich meinen. Wenn es dann mal zur Sache geht, wird auch die Musik lauter. Da hat jemand in punkto Kamera und Musik alles richtig gemacht, Respekt. Ein paar kleinere, nicht schlechte Schockeffekte gibt es auch zu sehen. Ich denke da nur an die 25. Minute, als sich Maya auf der Toilette aufhält. Es wäre ein Verbrechen zu sagen, was dort passiert, aber geil, muss ich schon sagen. Die Spannung ist zu diesem Zeitpunkt übrigens auch auf einem Höhepunkt.
Langeweile? Nö, bei mir nicht. Es wird ja ziemlich viel geredet und die Inzenierung ist sehr ruhig und weitestgehend ohne schnell geschnittene Bilder. Die kommen nur ab und zu, dann aber auch richtig. Es gibt fast nur ruhige Bilder und es passiert eigentlich relativ wenig, besonders nach der ersten Teufelsaustreibung. Immer mal wieder gibts dann diese Zeichen, die die Personen im Film bekommen. Dann wirds richtig geil. Es gibt grandiose uheimliche und schnelle Bilder, Schockeffekte und bei diesen meist nur halbminütigen Sequenzen wird richtig viel Spannung aufgebaut. Diese Szenen gibts aber nicht so oft. Die meiste Zeit passiert eigentlich nicht so viel. Dadurch, dass aber es so lange dauert bis mal was passiert hat sich bei mir auch Spannung aufgebaut. Das hört sich jetzt wiedersprüchlich an, ich weiß. Wie kann ausgerechnet dadurch, dass nix passiert ein Film spannend sein? Ganz einfach, die ganze Zeit saß ich da, starrte auf den Bildschirm und verfolgte gespannt den Handlungsstrang. Die Geschichte ist eigentlich ganz spannend und nicht vorhersehbar. Die langsamen Bilder sorgen dafür, dass sich die Spannung ganz in Ruhe aufbauen kann und das sie nicht sofort wieder verfliegt, weil alles schon wieder vorbei ist. Dann ist da auch noch die Musik, die wirklich gut passt und da fand ich Lost Souls dann schon spannend. Während der Film anfangs nur einwenig spannend ist wird er hinterher von Minute zu Minute spannender. Der Spannungsbogen ist gut. Ich kann da überhaupt nicht klagen. Mit der Spannung funktionierts und sie wird langsam aber sicher bis hin zum Ende sehr gut aufgebaut. Gegen Ende bekommt Lost Souls dann sogar einbisschen Tempo. Der Schluss ist vielleicht einbisschen abrupt und von der einen auf die nächste Sekunde ist alles vorbei. Hier hätte man noch mehr Spannung erzeugen können, aber bis zum Schluss fand ich Lost Souls spannend.
Beim ersten Mal Schauen ist Lost Souls spannend. Was ich mir vorstellen könnte ist, dass er schon beim zweiten Mal ziemlich langweilig ist. So war das bei Halloween aber auch. Wenn man den schon kennt, ist da auch nicht mehr viel mit Spannung, zumindest war das bei mir so. Also, einmal ist Lost Souls spannend, ein zweites Mal muss wohl nicht sein. Ich werde auf ein wiederholtes Schauen verzichten. So bleibt er mir als spannendes und gutes Horrorfilmchen in Erinnerung.
In Sachen Schnitt ist Lost Souls nicht so ganz das Optimale. Teils sind die Bilder vielleicht einkleinwenig zu lang und man hätte schon eine halbe Sekunde früher das nächste Bild bringen sollen. Das ist aber alles nicht so dramatisch, denn die Bilder an sich sind echt Hammer und sonderlich gestört hat mich das jetzt nicht. Mir ist nur manchmal halt aufgefallen, dass eine Kameraeinstellung vielleicht ein Sekündchen zu lang geworden ist, wodurch der Übergang zum nächsten Bild nicht ganz flüssig war.
Ich finde nicht, dass Winona Ryder hier fehlbesetzt ist. Ok, sie ist vielleicht nicht die ideale Schauspielerin für die Rolle der Maya Larkin. Viele werden jetzt auch denken, dass sage ich sowieso nur weil sie meine Lieblingsschauspielerin ist. Naja, vielleicht stimmt das sogar einbisschen. Ich finde aber, sie spielt gut wie gewohnt, auch wenn es schon Rollen gab wo sie besser war. Einbisschen zu viel Schminke hat sie vielleicht auch drauf. Ein klein bisschen weniger hätte nicht geschadet. Ich finde aber nicht, dass sie deswegen jetzt gleich wie eine Dorfnutte aussieht. Wer das findet ok, aber so würde ich das jetzt nicht ausdrücken.
Der eher unbekannte Ben Chaplin als Peter Kelson ist nicht weniger gut als Winona Ryder. Auch er macht seine Sache ordentlich und ich finde auch hier nicht, dass er eine Fehlbesetzung darstellt. Ich habe an den Schauspielern hier absolut nichts auszusetzen. Eigentlich haben sie mich größtenteils überzeugt.
Splatter oder blutige Effekte gibts bei Lost Souls nicht. Lost Souls ist ein Film, der wie Halloween oder Sixth Sense von unterschwelliger Spannung lebt und nicht von massenweise Blut. Lost Souls lebt natürlich auch von seiner grandiosen Optik.
Der Plot
Zugegeben, die Story ist keineswegs die eines Blue Velvets, jedoch muss ich sagen, dass die Geschichte doch eigentlich relativ spannend ist, ein paar überraschende Wendungen, vor allem im letzten Drittel, und ein paar sehr spannenende Momente zu bieten hat. Wenn ich mir da mal die Story eines Friday the 13th oder die von so manch "intelligenten" Tierhorrorfilm ala Bats angucke, dann ist die Story von Lost Souls doch gar nicht mal so übel. Ich finde sie jedenfalls spannend und was noch wichtiger ist, sie wurde vor allem spannend In Szene gesetzt. Den Plot will ich nicht direkt loben, so gut ist er wirklich nicht, aber klagen kann ich da auch nicht.
Die Teufelsaustreibung, die man hier nach 10 Minuten zu Gesicht bekommt erinnert schon sehr stark an Der Exorzist. Hier hat man wohl wirklich einbisschen was geklaut. Doch die Szene ist ja nicht schlecht und ich sage es immer wieder, besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht. Man bekommt dann eine Bilderflut zu sehen, und die ist sehr gelungen, fand ich. Die Musik wird dann auch etwas lauter und es gibt laute Schreie usw zu hören. Das sieht doch alles sehr gut aus und es hört sich auch gut an. Am Ende sind auch ein paar Kleinigkeiten abgekupfert, so dramatisch ist das aber nicht. Da sah ich schon schlimmer abgekupferte Sachen.
Kann mich mal bitte jemand aufklären? Was ist denn bitte schön so schlecht an Lost Souls? Naja, die Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden, aber mir hat Lost Souls auf jeden Fall zugesagt. Ich meine ok, es gibt bessere Filme, ganz klar, aber das er so schlecht sein soll kann ich nicht nachvollziehen. Die Optik ist echt der Hammer! Sowas hätte ich nicht erwartet. Und auch in Sachen Spannung hat das bei mir alles funktioniert. Eigentlich habe ich nicht viel auszusetzen an Lost Souls. Vieles hat man auf jeden Fall richtig gemacht, vor allem halt mit der Kamera. Wie gesagt, teils sind die Schnitte vielleicht nicht so das Wahre und das hier kann man wohl auch nicht als den Höhepunkt von Winona Ryders Karriere bezeichnen. Im Grunde aber ein solider Horrorfilm, der zwar nicht wirklich was Neues hat, dafür eine grandiose Optik und Spannung.
Puh, jetzt ist aber gut. Zeit für ein Fazit:
Lost Souls ist ganz klar unterbewertet, zumindest aus meiner Sicht. Lost Souls ist ein guter und spannender Horrorfilm, der mehr Anerkennung verdient hätte. Etwas neues hat er zwar nicht zu bieten, dafür ist er optisch beeindruckend, spannend und die Schauspieler, allen voran natürlich Winona Ryder, finde ich auch gut. Die Mängel halten sich doch in Grenzen. Vielleicht habe ich auch wirklich keine Ahnung, aber wenn es nach mir geht, dann ist dieser Film gut. Ich kann den empfehlen.