lynx   »   [go: up one dir, main page]

Review

Was ist Kino? Kino ist großes Gefühl und wuchtige Bilder, Kino ist Musik, die einen weghaut und sind Schläge, die einem wehtun, Kino ist Mut zur großen Geste und zum Risiko, Kino trotzt der Wirklichkeit und findet so zu einem anderen, einem besseren Realismus – dem des Kinos. 

BEATING HEARTS ist Kino in jedem Sinne. An der Oberfläche erzählt der Film von einer Liebe, die über Jahrzehnte währt und allen Widrigkeiten trotzt: Jackie und Clotaire stammen aus unterschiedlichen Schichten, haben wenig gemeinsam und werden sehr unterschiedliche Leben führen. Doch da ist diese magnetische, unerklärliche und unwiderstehliche Anziehungskraft zwischen den beiden, die selbst dem rational denkendsten Zuschauer klar macht: Diese beiden gehören zusammen. 

Die erfrischenden Schauspieler Mallory Wanecque/Adèle Exarchopoulos und Malik Frikah/François Civil verkörpern diese unwahrscheinliche Liebe in unterschiedlichen Lebensstadien ganz wunderbar. Wenn im Augenblick des ersten Verliebtseins plötzlich die Welt verschwindet und Jackie & Clotaire ganz alleine im Dunkeln, nur durch einen Scheinwerfer erhellt, zu The Cures „A Forest“ tanzen, inszeniert ganz im Stil von 80er-Jahre-Hits wie FLASHDANCE und FOOTLOOSE, dann ist das pure Kinomagie, die nur dank ihrer unschuldigen Naivität funktionieren kann. Während ganz ähnliche Szenen im zeitgleich erschienen Drama DAS LICHT des arrivierten Regisseurs Tom Tykwer einfach peinlich und gestellt erscheinen. 

Denn auf seiner anderen Ebene erzählt der clever betitelte L’AMOUR OUF (eigentlich „krasse Liebe“, aber eben auch ein verdrehtes „Amour Fou“-Wortspiel) von der Magie des Kinos. Wie Regisseur Gilles Lellouche diese doch recht simple und bekannte Geschichte von Liebe, Sehnsucht und Eifersucht, von Gangstern, Gewalt und Tod erzählt, ist in seiner Rauschhaftigkeit und in seiner abwechslungsreichen, oftmals überraschenden Inszenierung wirklich eindrucksvoll. Wie Lellouche die Möglichkeiten des Mediums hier ausschöpft, erinnert an Leos Carax (MAUVAIS SANG, LES AMANTS DE PONT NEUF) und einen gewissen Quentin Tarantino, dem der Film einen seiner tollen Twists verdankt. 

Wer seine Jugend in den 80er-Jahren verbracht hat und noch dazu frankophil ist, wird sich zudem an einem starken und sehr vielschichtigen Soundtrack erfreuen, der neben The Cure, Soft Cell und Prince auch Deep Purple, Foreigner und Gilbert Bécaud enthält und die zentrale Actionsequenz ganz organisch mit Originalmusik aus John Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK unterlegt. Fantastisch.

Details
Ähnliche Filme

Лучший частный хостинг