Die Soap-Opera-Verballhornung „Young Doctors in Love“, in Deutschland als „Küss mich, Doc“ und „Operation gelungen, Patient tot“ veröffentlicht, gehört nicht nur zu den frühen Arbeiten von Produzent Jerry Bruckheimer, sondern ist auch Garry Marshalls erste Spielfilmregie.
„Young Doctors in Love“ gehört zu jener Art von Parodie, die zeitgleich mit dem Aufstieg des ZAZ-Trios („Airplane!“, „Die nackte Kanone“) populär wurde. Das Genre, das sich der TV-erfahrene Marshall mit seinen Drehbuchautoren Michael Elias und Rich Eustis vornimmt, ist die Krankenhaus-Soap. Es geht – wer hätte das gedacht – um eine Gruppe junger Ärzte, die frisch aus der Ausbildung kommt, vor allem den superschlauen, aber vollkommen empathiefreien Simon August (Michael McKean) und die vom Land kommende Stephanie Brody (Sean Young). Hinzu kommen weitere Jungärzte wie der übereifrige Psychiater Walter Rist (Patrick Collins), der chronisch übermüdete, tief verschuldete Phil Burns (Taylor Negron) und der Schönling Bucky DeVol (Ted McGinley).
Die Gruppe startet ins erste Praxisjahr in einem eher episodenhaften Film, der von lauter kleinen Plotfäden zusammengehalten wird: Der untergetauchte Mafiaboss Salvatore ‘Sal‘ Bonafetti (Tito Vandis) lässt sich nach einem Herzinfarkt unter falschem Namen einliefern, aber der Hitman Malamud (Michael Richards) will ihm dennoch ans Leder und gibt sich als Patient aus. Phil will die Oberschwester Norine Sprockett (Pamela Reed) verführen, um an deren Medikamentenschlüssel zu kommen. Und vor allem kommen sich Simon und Stephanie näher, doch die junge Liebe wird von seltsamen Ohnmachtsanfällen Stephanies gebeutelt…
„Young Doctors in Love“ ist weniger eine Parodie auf konkrete Serien und Filme (trotz kleinerer Sidegags wie einer „Carrie“-Referenz in einer Friedhofsszene), sondern eher eine Verballhornung des Genres der Krankenhaus-Seifenoper an sich. So haben viele Stars aus Soap Operas des Senders ABC Cameo-Auftritte; nicht nur aus solchen mit Krankenhaushintergrund, aber einige Darsteller aus „General Hospital“ sind auch dabei, darunter Demi Moore und Janine Turner in jungen Jahren. „Young Doctors in Love“ war die erste Kinoproduktion von ABC. Auch die Sichtweise, dass die Patienten zwar für Dramatik sorgen, das Krankenhaus aber vor allem ein Ort ist, an dem Liebe und Lust zwischen Ärzten, Krankenschwestern und sonstigem Personal herrschen, verarscht das Genre, ebenso wie die klischeehaften, überdramatischen Plottwists: Natürlich hat Stephanie eine seltene Krankheit, natürlich kann nur eine OP durch Simon sie am Ende retten, aber der hat natürlich seit einem Kindheitstrauma eine Chirurgie-Phobie, die er erst überwinden muss. Dass der dramatische Eingriff vor dem Hintergrund eines Personalstreiks und dem Ausfall des cholerischen, aktienbesessenen Joseph Prang (Dabney Coleman) stattfinden muss, versteht sich natürlich von selbst.
Ein weiterer Gag besteht darin, dass „Young Doctors in Love“ vieles von dem explizit macht, was in den TV-Soaps nur angedeutet werden kann, wenn die Liebeleien mit einer Portion Nacktheit vonstattengehen, die einen Großteil zum R-Rating dieser Parodie beigetragen haben dürften. Ansonsten ist das Rezept ähnlich wie bei ZAZ: Ein loser Nonsens-Plot, der das Ganze beisammenhält, absurde bis assoziative Jokes und immer wieder kleine Sidegags im Hintergrund, etwa wenn Stephanie Tanzunterricht für eine Gruppe unterprivilegierter Kinder gibt, auf deren T-Shirts auch gleich Zuschreibungen wie „Orphan“, „Welfare Recipient“ oder „Broken Home“ stehen. Bestimmte Running Gags werden immer wieder besichtigt, etwa ein verstellbares Bett, das seinen Insassen stets auf neue Weise an die Wand donnert, oder die Mordversuche durch Malamud, die jedoch stets mit Schmerzen oder ärztlichen Eingriffen für Malamud enden – über Monate hinweg.
Allerdings muss man festhalten, dass Marshall und seine Autoren nicht die gleiche Trefferquote wie ZAZ hinbekommen und ehe für eine andere Art von Komödie stehen – der Regisseur feierte seine späteren Erfolge dann auch mit eher klassischen RomComs. Die Menge der Hintergrund- und Sidegags ist geringer als etwa bei ZAZ oder Mel Brooks, das Timing mancher Witze nicht besonders ausgereift. Der Plotstrang um Sals Sohn Angelo, den Marshalls Regular und Glücksbringer Hector Elizondo spielt, wirkt dagegen wie ein vulgärer Versuch dem Screwball-Klassiker „Manche mögen’s heiß“ nachzueifern: Angelo tarnt sich als angebliche Tochter Angela, wird dabei immer weiblicher und nähert sich Walter an, der das Verhältnis allerdings eher professionell sieht und gar nicht mitbekommt, dass Angelo/Angela mit seiner/ihrer zwischenzeitlichen vulgären Flucherei mit tiefer Stimme immer wieder aus der (Frauen-)Rolle fällt. Was nicht bedeutet, dass es nicht auch gute Gags gibt, etwa die turbulente Not-OP im Finale, die Ausraster Prangs oder die stets vergeblichen Mordversuche Malamuds, aber die Trefferquote von „Young Doctors in Love“ kann man eher als Hit-and-Miss beschreiben.
Beeindruckend ist allerdings der Cast. Während Michael McKean die große Karriere verwehrt blieb, wurde seine Co-Hauptdarstellerin Sean Young schnell zu einer der Leading Ladys der 1980er. Die Besetzung brachte zudem viele verlässliche Nebenrollengesichter heraus: Harry Dean Stanton, hier als freakiger Pathologe deutscher Abstammung, war schon vorher bekannt, doch für Saul Rubinek, Ted McGinley, Michael Richards und Pamela Reed gehörte „Young Doctors in Love“ zu ihren frühen Leinwandeinsätzen. In weiteren Parts kann man unter anderem Patrick ‘John Steed‘ Macnee, „Last Boy Scout“-Schurke Taylor Negron und den späteren MacGyver Richard Dean Anderson erblicken.
Doch trotz des beeindruckenden Casts gehört „Young Doctors in Love“ zu den eher mittelmäßigen Ergebnissen aus der Welle an Parodien, die durch den „Airplane!“-Erfolg losgetreten wurden. Zwar versteht Marshalls Film das verballhornte Soap-Opera-Material und hat durchaus seine Lacher, ist – gerade im Vergleich zu den ZAZ-Vorbildern – dann jedoch nicht albern und absurd genug, um eine ähnlich hohe Schlagzahl an Gags zu fabrizieren. Gerade Szenen wie jene mit der Urinprobe wirken bei dieser Art von Film eher lang und zerredet, eher wie Bremsklötze in dem Nonsens-Reigen.